Frauen und Digitalisierung

By | 21. November 2018

Glauben die einen, die Digitalisierung gefährde in erster Linie die Berufsfelder, die vorrangig von Frauen besetzt sind, so glauben andere, dass die Frauen zu den Gewinnerinnen der Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt gehören werden. Was stimmt denn nun? Vermutlich beides.

Während das WEF in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group im Januar 2018 prognostizierte, werden in den kommenden Jahren gut 1,4 Millionen Jobs in den USA durch die fortschreitende Digitalisierung bedroht, in denen aktuell mehrheitlich Frauen (zu 57%) beschäftigt sind (vgl. S. 13). Hier sind vor allem das Gesundheitswesen, die Buchhaltung, die Gastronomie und Erziehungsberufe zu nennen. Für einen passenden Jobwechsel böten sich ohne weitere Umschulungsmaßnahmen für Männer jedoch mehr Wechseloptionen als für Frauen an. Vor diesem Hintergrund könnten Frauen zu den Verliererinnen der Digitalisierung gehören.

Zwei Jahre zuvor vertrat Accenture noch die gegenteilige Meinung: „Wenn Regierungen und Unternehmen die Geschwindigkeit verdoppeln, mit der Frauen digital kompetent werden, könnte Geschlechtergleichheit am Arbeitsplatz in den Industriestaaten bereits im Jahr 2040 erreicht werden, also 25 Jahre schneller als bei der jetzigen Entwicklung.“ Hintergrund seien die besseren Bildungsabschlüsse der Frauen, ein großes Interesse am Gründen, so wie hohe Bereitschaft zu arbeiten, weil Heimarbeit und Flexibilität möglich wären.

Der DGB sieht die Situation ein bisschen differenzierter: Im Februar 2017 erschien eine Sonderauswertung zum Thema „Frauen und Digitalisierung: Chance oder Risiko?“, die zwar auch Unterschiede bei den Geschlechtern herausarbeitet, dieses aber in den unterschiedlichen Berufsprofilen innerhalb der Branchen begründet sieht. „Frauen nutzen andere Formen der Digitalisierung, weil sie andere Berufe und Tätigkeiten ausüben als Männer“, heißt es ganz klar in der Langfassung der Studie (S. 13).

Frauen finden jedoch auch die Arbeitsbelastung durch die Digitalisierung als höher (vgl. S. 15) bei gleichzeitigen Ohnmachtsgefühlen, da sie beim Einsatz der neuen Arbeitstechniken nicht mit entscheiden dürfen (vgl. S. 17f).

Letztendlich spricht das alles für strukturelle Faktoren – weniger für individuelle Voraussetzungen, denn diese sind bei Männern und Frauen weitestgehend gleich. Wenn die Rahmenbedingungen es zulassen würden, dürfte also das Geschlecht bei der Digitalisierung eigentlich keinen Unterschied machen.

 

 

 

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