Kompetenzfeld: Mustererkennung

By | 21. Dezember 2017

Menschen sind wahre Meister der Mustererkennung. Viele schreiben den Begriff dem Maschinenlernen zu, dabei wenden wir alle diese Fähigkeit tagtäglich durchgehend an ohne über deren Eigenschaft, Ablauf oder Funktionsweise nachzudenken. Unsere fünf Sinne bilden die Sensorik: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken. Alle eingehenden Informationen werden permanent auf bekannte Muster abgeklopft. In unserer Muttersprache arbeitet die Mustererkennung fast automatisch.

So ist sicher auch zu erklären, dass wir beim Verhören ständig versuchen, Sinn in das Ver- bzw. Gehörte zu interpretieren. Legendär ist dabei „Der weiße Neger Wumbaba“, den Axel Hacke als Titel für sein „Kleines Handbuch des Verhörens“ (2004) wählte. Dahinter steckt sein kindliches Verhören und die phantasievolle Interpretation der Textzeile „und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar“ aus dem Schlaflied „Der Mond ist aufgegangen“ von Mathias Claudius. Bei Fremdsprachen hören wir bewusst zu und hinterfragen schneller, wenn wir gehörte Inhalte nicht zuordnen können.

Permanente Mustererkennung durch Abgleich gespeicherter Merkmalskombinationen ist also der Normalzustand menschlicher Wahrnehmung und dauerhafter Prozess. Es mag immer noch kompliziert sein, diese natürliche Spontanleistung technisch zu simulieren.

Am ausgiebigsten bei der menschlichen Mustererkennung wurde die visuelle Wahrnehmung untersucht. Hier gibt es zwei Hauptansätze zur Erklärung: „Schabolentheorien“ und „Merkmalstheorien“. Erstere gehen davon aus, dass Objekte mit Manifestationen des Langzeitgedächtnis abgeglichen werden, wohingegen Zweitere besagen, dass einzelne „Bauteile“ identifiziert und interpretiert werden.

Machen Sie selbst den Test: Welche Muster erkennen Sie zu erst auf der folgenden Grafik?

Sind es die Rennautos, die alle die selbe Form, aber nur unterschiedliche Farben haben? Oder sehen zuerst die identischen Farbreihen mit den verschiedensten Strukturen?

Letztendlich ist es egal: Ihr Gehirn konstruiert für sich logische Zusammenhänge und Erklärungen, die ich gar nicht interpretieren kann oder möchte. So wie auch bei der Vielzahl von Vexierbildern, in denen die einen zuerst die junge und dann die alte Frau sehen oder dergleichen.

Ich glaube, dass die Gabe einer guten Mustererkennung eine wichtige Kompetenz im Umfeld digitalisierter Arbeit ist. Wer in der Flut einströmender Informationen Strukturen identifizieren kann, wird bei „Arbeit 4.0“ klare Vorteile haben.

Es ist ein bisschen wie beim Kompetenzfeld Kreativität: Eine gewisse Veranlagung wird sicher angeboren sein, aber auch diese Kompetenz kann trainiert und ausgebaut werden. Und das vermutlich sogar „spielerisch“ im wahrsten Sinne des Wortes: Puzzeln trainiert und Schach spielen sicher auch.

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